Geschichte zum Anfassen: Die Villmergerkriege

Die Ortsparteien der CVP von Sarmenstorf und Villmergen haben zu einem Beitrag über die Heimat eingeladen. Berufsoffizier Christian Bäder referierte über die Villmergerkriege.

40 Interessierte besuchten den Anlass und liessen sich auf eine Geschichtsreise mitnehmen.

«Wütendes Kriegsgeschrei, ungestümer Angriff. Bernische Generalität erkennt sofort die fehlende Koordination der Gegner und entschliesst sich, einen wuchtigen Gegenstoss aus dem Ostflügel zu machen», Christian Bäder schildert mit Inbrunst, wie es wohl vor 300 Jahren auf dem Schlachtfeld zu- und hergegangen ist. Mit genauen Angaben zeigt er den Interessierten, wo sich die Kämpfe zugetragen haben. Keinen schlechten Ausblick hatte man vom obersten Stock des Gemeindehauses in Villmergen. Eigentlich hätte die Schlachtfeldbesichtigung hoch oben auf dem Turm der Dambach stattfinden sollen. Doch kurzfristig kam da etwas dazwischen. Aber auch für diese kleine Panne war man beim Organisationskomitee der CVP gewappnet und koordinierte um.  Gespannt lauschten die Besucher des Anlasses den Worten des Berufsoffiziers, der ein profunder Kenner der historischen Hintergründe dieser für die Schweiz so entscheidenden Ereignisse ist.

Mehr als ein religiöser Konflikt
Es war eine brutale, blutige Schlacht 1712 bei Villmergen. Die Reformierten siegten nun, nachdem das katholische Luzern noch den ersten Villmergerkrieg 1656 gewonnen hatte. Sie gewannen damit beträchtlich an Einfluss in der Eidgenossenschaft. «Die Kreise dieser Kriege zogen sich weit übers untere Freiamt hinaus», schildert auch Bäder.
Schon in seinem Einführungsreferat im Kirchgemeindehaus hörten die Teilnehmer ihm aufmerksam zu. Besonders hellhörig wurden sie, als Bäder sagte: «Bei den Villmergerkriegen geht es weniger um den Glauben als vielmehr um handfeste Interessen.» Bäder spricht hier die Situation an, bei der man aufgeklärt wurde, dass diese Kriege sogenannte Glaubenskriege gewesen sind. «Die Ursache der Kriege waren nicht primär Religions- und Glaubensfragen, sondern vorwiegend irdische Bedürfnisse nach Macht, Besitz und Ehre», ist Bäder überzeugt.
In drei Schritten sei dieser Krieg entfacht worden, sagt Bäder. Erster Schritt war die Polarisierung. «Am Anfang stand ein Interessenkonflik. Jede Partei beanspruchte für sich die Vorherrschaft in der Eidgenossenschaft.» Konfessionalisierung war der zweite Schritt, bei dem die gemeinsamen Werte wichtig geworden sind. «Der dritte Schritt war dann die Radikalisierung», betont der Referent. Kriegspropaganda entstand. «Glauben passte gut, um zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und um Soldaten auf beiden Seiten zu motivieren», erklärt er seine Ansicht und überträgt seine Wertung auch in die heutige Zeit: «Zwischen Andersgläubigen wird bis heute die Kirchenzugehörigkeit oft missbraucht und zu einem wichtigen Motivator des Kämpfers gemacht.»    

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